Diagnose und Statistiken klingen nicht besonders aufregend, das wissen wir. Aber manchmal stecken die schönsten Dinge in unscheinbaren Verpackungen. JamKazam misst und meldet während deiner Sessions fortlaufend wichtige Leistungsstatistiken. Wenn du in Sessions Probleme mit der Audioqualität oder der Latenz hast - oder einfach neugierig bist, was "unter der Haube" deines Computers, deines Audio-Equipments und deiner Netzwerktechnik passiert -, dann gibt dir die Session-Diagnose enorm viel Einblick in das, was passiert und was du dagegen tun kannst.

 

Fangen wir mit der Diagnose für deinen eigenen Computer und dein Audio-Equipment an. Fahre mit der Maus über den kleinen farbigen Kreis auf einer deiner eigenen Audiospuren in der Spalte Audioeingänge links auf dem Session-Bildschirm (unten mit Pfeil abgebildet).




Jetzt siehst du eine Reihe von Diagnosewerten, die fortlaufend aktualisiert werden (unten abgebildet).



 

Der Eintrag Prozessor unter der Überschrift Computer zeigt, wie viel Prozent deines Prozessors gerade genutzt werden - nicht nur von JamKazam, sondern von allem, was aktuell auf deinem Computer läuft. Steigt dieser Wert über etwa 80 %, kann es zu Audio-Aussetzern und anderen Problemen kommen, weil der Prozessor deines Computers überlastet ist und die JamKazam-Audioverarbeitung nicht mehr zuverlässig schafft. Um die Prozessorlast zu senken und diesen Wert zu drücken, kannst du andere Anwendungen schließen, die gerade auf deinem Computer laufen. Du kannst auch das JamKazam-Videofenster schließen oder seine Auflösung verringern (falls du in deiner Session die Videofunktionen von JamKazam nutzt), denn Videoaufnahme und -streaming brauchen ein ordentliches Stück Rechenleistung.

 

Unter der Überschrift Audio-Interface siehst du Statistiken zur Leistung des Audio-Interfaces, mit dem du dein Audio verarbeitest:

  • Der Eintrag Latenz in dieser Liste zeigt deine Audioverarbeitungs-Latenz. Um es klar zu sagen: Das ist die Zeit, die dein Computer und dein Audio-Interface brauchen, um das analoge Audio deines Instruments und/oder deiner Stimme aufzunehmen, zu digitalisieren und ins Netzwerk zu geben, damit es an die anderen Musiker in der Session gesendet wird - plus die Zeit, die dein Computer braucht, um das digitalisierte Audio der anderen Musiker in deiner Session abzuholen, wieder in analoges Audio umzuwandeln und in deine Kopfhörer zu spielen. Im Grunde steht dieser Wert also für die gesamte Zeit, die dein Computer für die Audioverarbeitung in Sessions braucht. Die Zeit, die das Audio für den Weg durch das Internet braucht, ist *nicht* enthalten. Die meisten Computer und Audio-Interfaces brauchen heute irgendwo zwischen 4 und 14 Millisekunden für die Audioverarbeitung. Die eingebauten Mikrofone deines Computers sind in der Regel deutlich langsamer und brauchen typischerweise mehr als 20 Millisekunden - manchmal viel mehr.
  • Unter dem Latenzwert siehst du die Werte Eingangs-Jitter und Ausgangs-Jitter. Damit dein Audio sauber bleibt, soll dein Audio-Interface das Audio zuverlässig nach Zeitplan aufnehmen und an deinen Computer übertragen. Jitter ist in diesem Zusammenhang ein Maß für die Schwankungen im Timing, mit dem dein Audio-Interface dein Gesangs-/Instrumentenaudio aufnimmt und an deinen Computer überträgt. Schwankungen sind schlecht. Solange diese Jitter-Werte grün oder gelb bleiben, bist du beim Jitter auf der sicheren Seite. Wenn sie häufiger als nur gelegentlich rot werden, verursacht das Latenzprobleme und auch Probleme mit der Audioqualität wie Klicken und Knacken.
  • Der Equipment-Treiber zeigt dir, welche Audiosoftware dein Audio-Interface steuert. Auf einem Mac ist das meist CoreAudio. Auf einem Windows-Computer ist das meist ein ASIO-Treiber vom Hersteller deines Audio-Interfaces. Das ist eigentlich nur zur Information.
  • Und schließlich zeigt dir die Frame-Größe, wie häufig dein Audio-Interface Audio-"Häppchen" aufnimmt und an deinen Computer überträgt. Im Screenshot oben beträgt die Frame-Größe 2,5 Millisekunden. Das heißt, dein Audio-Interface greift sich jeweils ein Stück analoges Audio von zweieinhalb Tausendstelsekunden Länge, digitalisiert es und überträgt es zur Verarbeitung an deinen Computer. Dieser Wert für die Frame-Größe wird in Schritt 2 des Equipment-Assistenten festgelegt. Das ist heute für alle Computer eine ziemlich sichere Frame-Größe. Bei moderneren/aktuellen Computern mit mehr Rechenleistung kannst du die Frame-Größe auf 1 Millisekunde verringern, sodass das Audio jede einzelne Millisekunde abgetastet und verarbeitet wird - das senkt deine Audioverarbeitungs-Latenz.

 


Schauen wir uns jetzt die Diagnosewerte an, die für die anderen Musiker in deiner Session verfügbar sind. Nehmen wir für dieses Beispiel an, du bist mit zwei anderen Musikern namens Peter und Seth in einer Session. Um die Statistiken für Peter zu sehen, fahre mit der Maus über Peters farbige Statistik-Blase (unten mit Pfeil abgebildet).




Jetzt siehst du eine größere Auswahl an Statistiken (unten abgebildet).



 

Die Gesamtlatenz ("Tot Latency") ganz oben in dieser Statistik zeigt dir die gesamte Ende-zu-Ende-Latenz zwischen dir und Peter - einschließlich der Zeit für die Audioverarbeitung an beiden Enden eurer Verbindung plus der Zeit, die die Audiodaten für den Weg über die Internetverbindung zwischen euch brauchen. Im Beispiel oben hört Peter das Audio deiner Gitarre also 30 Millisekunden nach dem Moment, in dem du sie spielst und in deinen eigenen Kopfhörern hörst - mit anderen Worten 30 Tausendstelsekunden später.

 

Die Bereiche Computer und Audio-Interface zeigen dir dieselben Statistiken, die wir oben für deinen eigenen Computer und dein Audio-Interface besprochen haben - hier aber für Peters Computer und Audio-Interface. So siehst du, ob Peters Prozessor zu stark ausgelastet ist oder ob Peters Audio-Interface Jitter-Probleme hat.

 

Darunter gibt es einen neuen Bereich mit der Überschrift "Internet", der Daten zur Internetverbindung zwischen dir und Peter anzeigt: 

  • Der Eintrag Latenz in dieser Liste zeigt dir, wie lange die Audiodaten für den Weg über das Internet zwischen dir und Peter brauchen. Im Beispiel oben beträgt die Internet-Latenz 13 Millisekunden. Also stammt etwa die Hälfte der insgesamt 30 Millisekunden Latenz zwischen dir und Peter aus dem Internet, die andere Hälfte von euren Computern + eurer Audioverarbeitung. 
  • Im Bereich Audio-Interface der Statistik misst der Jitter die Schwankungen in der Rate, mit der dein Computer und dein Audio-Interface Audio aufnehmen und verarbeiten. In diesem Bereich Internet messen die beiden Jitter-Werte die Schwankungen in der Zeit, die deine Audiodaten über das Internet von dir zu Peter - und von Peter zu dir - brauchen. Wenn die Übertragungszeit deiner Audiodaten über das Internet schwankt, ist das schlecht und führt zu höherer Latenz und außerdem zu Problemen mit der Audioqualität wie Knistern und Knacken. Solange diese beiden Werte grün oder gelb sind, bist du auf der sicheren Seite. Rot ist wie immer ein Problem. Der wichtigste Schlüssel zu niedrigem Internet-Jitter ist, deinen Computer per Ethernet-Kabel statt drahtlos per Wi-Fi zu verbinden. Dazu später mehr.
  • Der Eintrag Paketverlust in dieser Liste zeigt dir, wie viel % der Audio-Häppchen, die zwischen dir und Peter gesendet werden, auf dem Weg durch das Internet verloren gehen. Dieser Wert sollte null oder nahe null sein, und auch hier hält eine Ethernet-Kabelverbindung zwischen deinem Computer und deinem Router ihn minimal. Wenn dieser Wert rot wird, wirst du ganz sicher Probleme mit der Audioqualität hören.
  • Der Eintrag Verbindungsart in dieser Liste zeigt dir, ob Peter eine Kabelverbindung nutzt (d. h. Peters Computer ist per Ethernet-Kabel mit seinem Router verbunden) oder eine Wi-Fi-Verbindung (d. h. drahtlos/WLAN). Wi-Fi-Verbindungen sind sehr, sehr schlecht für die Streaming-Leistung von JamKazam. Wenn du also in dieser Diagnoseanzeige siehst, dass ein anderer Musiker in deiner Session Wi-Fi nutzt, weißt du, warum deine Verbindung zu diesem Musiker schlecht ist, und du kannst ihm vorschlagen, die Internetverbindung seines Computers auf Kabel umzustellen - damit ist er besser bedient.
  • Und schließlich zeigen die Werte RX und TX für Audio und Video am Ende dieses Bereichs die Größe der Audio- und Videostreams, die du in der Session an Peter sendest und von ihm empfängst. Die JamKazam-App regelt diese Streams automatisch hoch oder runter, um die Audio- und Videoqualität zu optimieren und sich gleichzeitig an die jeweils verfügbare Internet-Bandbreite anzupassen. Mehr Bandbreite bedeutet im Allgemeinen höhere Audio- und Videoqualität.

 


Nehmen wir jetzt an, du gehst weiter nach unten zu Seths Statistiken in der Session. Dazu fährst du mit der Maus über den farbigen Punkt auf Seths Audiospur (unten mit Pfeil abgebildet).


Jetzt siehst du die Statistiken zu Seths Computer und Audio-Interface sowie zur Internetverbindung zwischen dir und Seth (unten abgebildet).




Hier siehst du dieselben Statistiken, aber ein ganz anderes Bild. Deine Gesamtlatenz zu Seth beträgt 91 Millisekunden - gegenüber 30 Millisekunden zu Peter. Damit wird es so gut wie unmöglich, synchron mit Seth zu spielen. 

 

Wenn du dir Seths Werte für Computer und Audio-Interface ansiehst, sehen die gut aus und liegen alle im grünen und gelben Bereich. Aber wenn du dir seine Internet-Werte ansiehst, siehst du viel Rot. Die Basis-Internet-Latenz - also die Zeit, die eure Audiodaten über das Internet zueinander brauchen - liegt bei etwa 23 Millisekunden, also im gelben Bereich. Nicht toll, aber auch nicht furchtbar. Der Übeltäter: Wenn du dir Seths Verbindungsart ansiehst, steht dort Wi-Fi, angezeigt mit einem roten Punkt, der auf ein Problem hinweist. Seths Computer ist also per Wi-Fi statt per Ethernet-Kabel mit seinem Router verbunden. Diese Wi-Fi-Verbindung verursacht große Internet-Jitter-Probleme, die sich in den beiden Jitter-Werten zeigen, die ebenfalls beide rot sind. Und das alles fließt in den Wert für die Gesamtlatenz ein, der ebenfalls rot ist und eine schlechte Verbindung anzeigt. 


Diesen Abschnitt kannst du überspringen, wenn es dir zu technisch wird - aber wir werden regelmäßig danach gefragt, deshalb stellen wir die Information hier bereit. Das Problem mit Wi-Fi-Routern hat nichts mit Bandbreite zu tun. Bandbreite und Latenz hängen nicht zusammen. Mehr Bandbreite zu haben oder zu bekommen macht deine Latenz nicht niedriger. Das Problem mit Wi-Fi-Routern hat auch nichts mit deinem Internetanschluss zu tun. Es liegt an der Paketrate. Um die Audio-Latenz niedrig genug zu halten, damit man in Sessions zusammen spielen kann, macht JamKazam vieles anders als Zoom, Skype oder andere Anwendungen - unter anderem nehmen wir Audiodaten sehr häufig in sehr kleinen Happen/Häppchen auf und übertragen sie. Mit der Frame-Größe von 2,5 ms aus dem Beispiel oben sendet und empfängt jeder Audiostream zwischen dir, Peter und Seth 400 Pakete/Häppchen Audiodaten pro Sekunde. Diese Pakete müssen in der richtigen Reihenfolge und genau pünktlich ankommen, wie ein Uhrwerk. Wenn nicht, bricht die Audioqualität zusammen. Und drahtlose Wi-Fi-Router sind dieser Aufgabe einfach nicht gewachsen. Solche Router neigen dazu, sich zu verschlucken, und die Datenhäppchen kommen verspätet an. Es ist also zusätzlicher Aufwand, aber jede Mühe wert, deinen Computer per Ethernet-Kabel mit deinem Router zu verbinden. Wenn dein Computer keinen Ethernet-Anschluss hat, kannst du einen USB-auf-Ethernet-Adapter kaufen, um diese Kabelverbindung zu ermöglichen.